Freitag, 19. Januar 2018

Haarpflege für Muslimas mit Kopftuch

Assalamu aleikum und Hallo zusammen,




Rapunzel




die Haarpflege einer bedeckten Frau ist nicht soo viel anders als bei Frauen die kein Kopftuch tragen, jedoch gibt es einige wichtige Dinge zu beachten. Manche Frauen denken, dass ein Kopftuch sogar schädlich für die Haare sei, und ihnen mehr Haare ausfallen. Das kommt einem aber nur so vor, da die Haare sich im Kopftuch sammeln, wenn sie ausfallen (etwa 100 Haare am Tag sind normal), und somit auf einmal herausfallen wenn man das Tuch abzieht. Im Gegenteil, wenn man das Kopftuch richtig trägt, hat dies sogar viele Vorteile für die Haare: Sie werden vor Wind und Schmutz geschützt, vor schädlichen UV Strahlen und vor dem Einquetschen im Reißverschluss oder den extremen Temperaturschwankungen wenn man vom klimatisierten kalten Haus in die heiße Sonne herausgeht, oder von der warmen Wohnung in die kalte Winterluft. All dies belastet die Haare und all dies kann somit vermieden werden, indem man den Hijab trägt.



Allgemeine Punkte zur Haarpflege:

-Vermeiden sollte man Föhn, Glätteisen, Lockenstab, künstliches Färben der Haare, Haargummis mit Metallstift, Toupieren der Haare sowie tägliches Haarewaschen.

-Vorteilhaft dagegen ist es, die Haare an der Luft (in der Wohnung) trocknen zu lassen, auf Hitzestyling zu verzichten und die Haare zweimal pro Woche bis maximal alle zwei Tage  mit einem passendem Shampoo und einer Spülung zu waschen. Kaktus und Kokosnuss im Shampoo unterstützen das Haarwachstum und dessen Gesundheit.

-Haarsprühkuren, je nach Haartyp, einige Male die Woche auf das Haar sprühen und Haare danach vorsichtig kämmen.


-Ein weiches Handtuch nach dem Waschen und Tücher und Kissenbezüge aus Seide sind für die Haare angenehmer als kratzige raue Stoffe

-Haarmassagen und Haarmasken (gute Zutaten für eine Maske sind zB Kokosnussöl, Jojobaöl, Avokadoöl,
Rosmarinöl, Eier und Apfelessig, Tee und Henna) sorgen für  besseres Haarwachstum und Kraft. (Maske 15 min lang einmal die Woche)

-Spitzen schneiden und kaputte Stellen abschneiden,etwa alle 3 Monate



Pflegehinweise für die Haare unter dem Hijab:

-Haare niemals im nassen Zustand lassen wenn man das Kopftuch anzieht und dann rausgeht, sondern vorher möglichst trocknen lassen, nasse Haare fest zu binden und nicht an die Luft zu lassen schadet den Haaren.

-Der Stoff des Hijab sollte Luft durchlassen und leicht sein.

-Reibung zwischen Haaren und Hijab sollte vermieden werden sonst können die Haare brechen.

-Baumwolle, Seide und Viskose sind schöne Stoffe und schädigen das Haar weniger als es Satin, Polyester etc tun.


-Richtige Farbe wählen, kein schwarz bei heißer Sonne, besser weiß oder andere helle Farben tragen.

-Die Frisur richtig binden: fest, streng und hoch zu binden ist schlecht für Haarwurzeln und Kopfhaut, besser sind ein 
lockerer Dutt (mit weichen Haargummis oder Haargreifern), Pferdeschwanz, oder geflochtener Zopf.

-Das Gummi sollte sich leicht von den Haaren lösen lassen, und nicht verknoten und in den Haaren hängen bleiben.

-Ein Untertuch unter der eigentlichen Kopfbedeckung stützt die Frisur und verhindert, dass Härchen herausfallen vorne an der Stirn oder den Seiten.

-Haare kämmen - vor und nach dem Hijab anziehen -  mit einer passenden Bürste, je nach Haartyp mit feinen Borsten oder groben Zinken, aus Holz oder Plastik...


-Länge der Haare beachten: Desto länger die Haare, desto aufwendiger die Pflege. Das muss man für sich persönlich entscheiden welche Haarlänge man möchte bzw wieviel Zeit man in die Pflege stecken möchte.



Frau mit Abaya und Schleier streichelt ein Pferd.



Pflege für die Haare zu Hause:


-Haare zu Hause am Fenster für eine kurze Zeit der Sonne aussetzen. 

-sobald man zu Hause ist, Kopftuch ausziehen und Haare locker offen fallen lassen, oder zu einer lockeren Frisur binden, so wird es den Haaren ermöglicht, dass sie besser wachsen können und die Kopfhaut wird entlastet (bei einem strengen Dutt oder Pferdeschwanz zieht das Gewicht an der Kopfhaut und das verursacht Spannung und Jucken)


Pflege der Haare durch Ernährung:

-Eine gesunde Ernährung wirkt sich auf den Körper und auch auf das Haar aus, vorteilhaft für die Haare sind: genug Wasser zu trinken, Obst und Gemüse, Protein,
Fisch, dunkelgrünes Gemüse (Kalzium und Eisen)
Eier (Biotin), Nüsse und Kerne (hochwertige Fette), Milchprodukte... Ich hoffe in Schokolade stecken auch einige Vitamine die meinen Haaren gut tun;-)






In diesem Artikel habe ich viele Tipps aus der im Link angegebener Seite entnommen und übersetzt. Den arabischen Originaltext findet ihr in folgendem Link:

https://www.babonej.com/hair-care-tips-for-hijab-967.html



Frau in dunkelblauer Abaya hält ein kastanienbraunes Pferd am Strick.



Zu guter Letzt, alles was Allah uns befohlen hat, das ist gut für uns, und so auch der Hijab. 


O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Übergewänder reichlich über sich ziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (dann) erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig. (33:59)



Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen - bis auf das, was davon sichtbar sein darf*, und dass sie ihre Kopftücher um ihre Kleidungsausschnitte schlagen und ihren Schmuck vor niemand (anderem) enthüllen sollen als vor ihren Gatten oder Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen, oder solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb mehr haben, und den Kindern, die der Blöße der Frauen keine Beachtung schenken. Und sie sollen ihre Füße nicht so (auf den Boden) stampfen, dass bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verbergen. Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, Oh ihr Gläubigen, auf dass ihr erfolgreich sein möget. (24:31)
*Gesicht, Hände und äußere Bekleidung, nach anderen Meinungen nur die äußere Bekleidung.





Die Strafe, wenn man den Hijab NICHT trägt:

https://islamfatwa.de/kleidung-schmuck/133-hijab-a-jilbab/1761-diese-frauen-werden-das-paradies-nicht-riechen-kamelhoecker-hijab






Muslima mit schönem Hijab vor ein paar Palmen.










Montag, 15. Januar 2018

NEU: Reitbekleidung für Muslimas Teil 2

Assalamu aleikum und Hallo zusammen, 



Frau in Sommerbluse und violettem Kopftuch streichelt ihr Pferd.


bereits in einer meiner ersten Artikel habe ich über "Die passende Reitbekleidung für Muslimas" geschrieben. Mit der Zeit kommen mir immer wieder neue Ideen und diese möchte ich gerne mit euch teilen, damit niemand sagen muss "mit Hijab kann ich nicht (mehr) reiten".


Zum Thema Reitrock oder Reitkleid möchte ich erwähnen, dass es sehr sinnvoll ist, einen Gummizug oben an der Taille zu verwenden und keinen Reißverschluss, Knopf oder ähnliches. Der Gummizug hat den Vorteil, dass er sich eurer Figur anpasst und auch wenn ihr ein paar Kilos zu- oder abnehmt, passt der Rock weiterhin wie angegossen. Außerdem ist er quasi unkaputtbar, man kann ihn drehen und sich frei bewegen und alles damit anstellen und das Gummi sitzt - Allahumma baarik (Gott segne es) -  bombenfest.

Ein Knopf oder Reißverschluss würde mit der Zeit reißen, wenn ihr beim Reiten mal am Zaun hängenbleibt oder beim Aufsteigen zu schnell das Bein über den Sattel schwingt. 

Der Rock sollte auch grundsätzlich sehr weit und locker sein, und etwa bis Knöchellänge reichen (zu lang = er schleift durch den Dreck, zu kurz = man sieht die enge Reithose darunter) .

Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein Reitkleid nach Modell selbst schneidern zu können oder es in Auftrag zu geben, ist das sehr schön, dann könnt ihr Farben, Stoffe und Schnitt individuell anpassen - ganz nach euren Wünschen. Diese Lösung finde ich am besten, da Reitröcke oder -kleider nur selten zu finden sind, und wenn man sie dann kaufen möchte, liegen sie auch meist bei 100 bis 200 Euro und sogar noch teurer.
Die ganz billige Lösung ist es, einen alten Rock (oder Kleid) vorne und hinten einzuschneiden sodass er sich öffnet wenn man im Sattel sitzt, denn wie bereits im ersten Artikel erwähnt, ist es weder bequem noch sieht es schön aus auf einem zerknautschten nach oben gerutschtem Rock zu sitzen. (siehe Foto unten) Es sei denn, das Kleid ist sooo weit wie ein Ballkleid (siehe erstes Foto unter diesem Absatz) aus dem 18.Jahrhundert, sodass es schön fällt, dies ist aber selten der Fall... Der Nachteil der "DIY" Lösung ist, dass das Kleid sich ZU sehr öffnen könnte, man also auch beim Gehen die Hose sieht, und das es nach einigen Wäschen wahrscheinlich zerfleddern wird. 


Ein wunderschönes großes lilafarbenes Kleid fällt über den Rücken des Pferdes wie eine Decke.


Diese Frau mit Niqab reitet mit Jeans und Abaya.
Muslimin in weißer Abaya streichelt ein braunes Pferd.



Was Oberteile bzw. Jacken angeht, Hauptsache es ist a) weit b) nicht durchsichtig c) mittellang, das heißt so lang dass es bedeckt aber nicht so lang dass man auf seinem Oberteil sitzt und nicht auf dem Sattel, und man somit hängenbleibt. Dieses Problem ist beim ReitKLEID natürlich nicht gegeben. Auch ist es sinnvoll, dass d) die Enden der Ärmeln, also am Handgelenk, eng sind oder mit einem Gummizug versehen (siehe folgendes Foto), denn sind sie extrem weit und ausladend, werden die Ärmel beim Heben der Arme (Auftrensen des Pferdes, Springen, Ausmisten, Satteln etc.) bis zum Ellbogen herunterrutschen - das sollte man wenn möglich vermeiden. Gerade jetzt im Winter finde ich eine Fleece Jacke unglaublich praktisch, sie ist atmungsaktiv, bequem, hält warm und ist winddicht. 




Muslima putzt ihren Schimmel in seiner Box.



Ein Wort zum Stoff: Gerade bei Stoffen, welche direkt am Körper anliegen, wie z.B. Kopftuch, Hose und Hemd, bevorzuge ich natürliche bzw. naturnahe Stoffe wie z.B. Baumwolle, Wolle, Viskose, Seide (im Islam nur für Frauen erlaubt) und Jeans. Auch wenn diese Stoffe vielleicht dick und schwer erscheinen, man schwitzt definitiv weniger als in einem Polyester - Shirt, auch wenn dieses dünn ist! Ganz besonders beim Kopftuch sind mir die Stoffe sehr wichtig, da man es ja für einige Stunden am Tag trägt oder vielleicht auch den ganzen Tag, und ich möchte, dass meine Haare trotzdem geschützt werden und mein Kopf Luft bekommt. Bei synthetischen Stoffen laden sich oft die Haare elektrisch auf oder reiben aneinander und die Kopfhaut kann nicht gut atmen. Ganz zu schweigen von dem Hitzestau der sich im Sommer darunter bildet. Mit Baumwolle ist das anders, sie ist leicht und man schwitzt nicht so stark und das Gefühl ist so angenehm, dass man fast vergisst dass man überhaut ein Kopftuch anhat. 


Eine weitere schöne Sache sind lange Reitsocken, die man im Winter über die normalen Socken anzieht, und im Sommer direkt über den Fuß. Da verrutscht die Socke nicht wenn sie im Schuh steckenbleibt und entblößt nicht Knöchel und das halbe Bein. 



Neu: Hier habe ich noch einige schöne Beispiele für einen Reitrock gefunden (Klesarven), die man kaufen kann oder auch nach Fotomodell schneidern lassen könnte. 




Der lange Rock bedeckt Beine der Reiterin und Rücken des Pferdes.

Hier sieht man gut wie weit und hübsch der Rock ist.

Eine sehr schöne Länge und ein guter Schnitt für einen Rock, am besten aber mit Gummizug oben. 

Damit der Rock die Figur nicht zu sehr betont, kann man eine Jacke oder Pullover über den Bund anziehen, oder den Pullover aus dem Bund herauszupfen sodass der Pullover sich "aufbläht" und die Taille überdeckt.



 Neu: Folgendes Bild habe ich aus einer englischen Seite entnommen. Ich finde die Kleidung persönlich nicht ganz ideal, aber für den Übergang auf jeden Fall zu empfehlen. Eine weit ausgestellte Jeans mit einem langen Anorak drüber und Reitstiefeln, dazu ein einfaches Kopftuch, Helm und Handschuhe. 


Muslimische Reitbekleidung.




Und denkt daran: Reiten mit Hijab erfordert vielleicht etwas mehr Aufwand und Mühe, ist aber definitiv möglich. Und wenn man beim Reiten mehr mit dem Zurechtzupfen der Kleidung und des Kopftuches beschäftigt ist als mit Reiten, liegt das nicht am Hijab, sondern dann ist es einfach die falsche Kleidung und man muss vielleicht einen längeren Rock wählen und ein einfacheres Kopftuch, und schon klappt alles viel besser in shaa Allah (wenn Gott will). 


Wenn ihr weitere Ideen habt, schreibt es gerne in die Kommentare:-) 






Mittwoch, 10. Januar 2018

Reiten auf Djerba

Assalamu aleikum und Hallo zusammen, 



Ranch Sidi Mansour


auch ich konnte es nicht sein lassen, einmal dem kitschigen Touristenklischee zu folgen und Urlaub auf Djerba zu machen. Inklusive Krokodilzoo, Museum und natürlich einem Ausritt am Strand. 
Wir waren zwar nur drei Tage dort, aber es hat ausgereicht und ist auf jeden Fall weiterzuempfehlen. 
Gleich als wir ankamen, habe ich im Hotel nach Reitmöglichkeiten gefragt. Der Preis für einen zweistündigen Ausritt war dreimal so teuer wie beim Reitstall selbst. Ich kann also nur jedem raten, vor Ort bei den Pferden zu buchen. Das haben wir auch gemacht, wir sind mit dem Auto rumgefahren und haben eine Pferdestation gefunden, bei der wir gebucht und bezahlt haben. Man kann entweder eine gemütliche Tour buchen, das heißt auch Leute ohne viel Pferdeerfahrung können hier in Ruhe eine Stunde im Schritt über die Insel reiten, oder eine Tour für Fortgeschrittene, die geht etwa 2 Stunden und man reitet am Meer und darf galoppieren. Nun erzähle ich euch von dem Ausritt: 

Wir fahren eine lange Straße Richtung Krokodilpark entlang, und entdecken auf der rechten Seite ein paar Kamele, Pferde und Quads. Es ist die "Sidi Mansour Ranch", bei der wir heute reiten wollen. Unsere beiden Hengste sind bereits gesattelt und getrenst und warten dösend in der Sonne. Ich sage dem Führer, einem jungen Tunesier, dass ich reiten kann, deswegen darf ich später auch galoppieren. (Eine kleine Anmerkung hierzu zum Thema "ich kann reiten" bitte sagt das nur wenn ihr auch wirklich reiten könnt, euch vor allem im Sattel halten könnt. Leider sagen viele Touristen dass sie reiten können, haben aber in Wahrheit einfach nur einmal auf dem Pferd gesessen, und buchen dann gleich eine Tour mit Galopp etc. Natürlich merken die Veranstalter schnell ob man wirklich reiten kann oder nicht, und es ist dann immer sehr ärgerlich wenn jemand gelogen hat und es Probleme mit der Gruppe gibt, weil drei Leute galoppieren möchten und der eine plötzlich sagt er kann doch nicht reiten und dann warten muss oder sogar vom Pferd fällt und sich verletzt.) 


Zurück zur Geschichte, wir besteigen also alle unsere Pferde und warten auf den Führer, der heute zu Fuß dabei ist, da er keine Lust hatte zu reiten. Ich nutze die Zeit und teste den braunen Hengst "Ward" (deutsch: Rose), wie er sich reiten lässt. Wir drehen ein paar Kreise, reiten vom Stall ein paar Meter weg und wieder zurück, und gehen rückwärts. Klappt soweit ganz gut. Die Pferde tragen alle Trensen mit Pelham-Gebiss, welches so eingeschnallt ist, dass es scharf und nicht weich auf das Pferdemaul einwirkt. Dies sei notwendig zur Sicherheit der Touristen, sagt der Führer. "Lieber das Pferd hat Schmerzen als der Tourist im Graben." 

Es geht los. Ich werde angewiesen mit Ward vorneweg zu reiten, mein Mann hinterher, danach eine andere Frau, die ebenfalls mit uns die Tour gebucht hat, und der Führer neben ihr, der ihr Pferd festhält. Wir reiten durch eine sandige Ebene etwa 100 Meter weit von der Straße entfernt, und bei jedem Baum versucht Ward ein Blatt zwischen die Zähne zu bekommen. Obwohl er gut genährt ist, hat er wohl Hunger. Oder ist einfach verfressen. Als ich ihn erwische, ziehe ich ihn an den Zügeln vom Busch weg und treibe ihn vorwärts. Ward reagiert gehorsam und verzichtet auf den Snack. 

Wir überqueren eine Straße und reiten dann ein gutes Stück zwischen einem Wohngebiet hindurch. Der Weg ist jedoch aus Sand. Ward geht vorwärts, weder Autos noch andere Pferde oder Quads beeindrucken ihn. Er kennt das. Nun gelangen wir an eine schöne Ebene aus Sand und Bäumen, die Richtung Meer führt. Immer wieder traben mein Mann und ich vor, dann warten wir auf die anderen. Es folgt eine weite Strandfläche, die von kleinen Seen und Flüssen durchzogen ist. Wir reiten durch das Wasser, mein Hengst stapft fleißig vorwärts, bis zu den Knien im Wasser kämpft er gegen die Strömung an. Danach kommen wir an ein kleines Waldstück welches zum Meer führt. 

Plötzlich verweigert Ward die Mitarbeit und will überall hinrennen, nur nicht nach vorne. Der Führer packt ihn am Halfter und führt ihn ein paar Meter an der kritischen Stelle vorbei, dann läuft Ward wieder normal weiter. Jetzt warten meine Mitreiter und der Führer an einer Düne am Strand und ich darf galoppieren. Zweimal galoppiere ich einige hundert Meter am Meer entlang und wieder zurück. Auf dem Rückweg rennen ein paar wilde Hunde auf mich zu, aber mein Pferd galoppiert durch sie hindurch und die Hunde springen zur Seite. Bis auf die Tatsache, dass der Hengst zweimal versucht Richtung Stall zu rennen, ist er ganz brav, ist angaloppiert und hat auch ohne viel Drama wieder angehalten. Viel zu schnell ist der Galopp vorbei, und es geht über Sand und See wieder heimwärts. 

Auf einmal steht eine lange Mauer vor uns im Weg, und der einzige Durchgang ist durch einen riesigen Müllhaufen versperrt. In einem Hollywood Film wäre man jetzt über die Mauer gesprungen. Im spießigen Normalfall umgekehrt. Ich entscheide mich für den Mittelweg und lenke Ward entschlossen Richtung Müllhaufen. Dort quetschen wir uns durch eine winzige Lücke zwischen Mauer und Müll und gelangen auf die Straße. Die anderen folgen. Nun geht es eine halbe Stunde lang im Schritt zurück zum Stall. 
Dort werden die Pferde von Mitarbeitern übernommen, abgesattelt und gefüttert. Ward wälzt sich gleich im Sand, sobald er den Sattel los ist. 

Da ich im Urlaub meine Reitkleidung nicht mit hatte, habe ich mir selbst was gebastelt. Ein One-Piece Kopftuch mit Untertuch darunter, damit der Dutt hält, einen Pullover und eine Jacke darüber. Untenrum eine Leggins, darüber eine weit ausgestellte leichte Hose aus Polyester, darüber einen normalen dünnen Rock mit Gummizug oben. Turnschuhe, Sonnenbrille, fertig. 
Jetzt zeige ich euch ein paar Fotos mit Erlaubnis des Reitstalls, die Leute haben sich gefreut als ich gesagt habe dass ich einen Artikel über ihren Stall schreiben werde. 



Plakat der Ranch mit schönen Fotos.




Die Pferde vor dem Stall in der Sonne dösend.

Ein hübscher Schimmelhengst beim Mittagsschlaf.

Ward ورد angebunden vor der Ranch.



Die Boxen und der Sandauslauf davor.


Hengst Ward wartet auf seinen Reiter.



Gleich geht es los...

Auf geht es Richtung Strand.

Ohne zu zögern durchquert Ward das Wasser.

Die Pferde genießen die Abkühlung.

Nach dem Galopp am Meer geht es zurück nach Hause.

Ein wunderschöner Ausritt am Meer bei gutem Wetter - schade dass man es nicht jeden Tag machen kann.


Eine einzigartige Kombination aus Meer, Sand und Grün.


Verabschiedung von Ward.

Am Tag der Abreise waren wir am Strand hinter dem Hotel spazieren, und schon kamen die ersten Männer mit Pferden und Kamelen um uns zum Ritt zu überzeugen. Leider hatten wir keine Zeit. Einer kam sogar angaloppiert und führte neben sich her ein gesatteltes Pferd. Dies ist hier aber nichts ungewöhnliches, wer reiten will, der kann reiten, und wer nicht, der wird dazu überredet;-)





Die Pferde als "Köder" an einer Palme am Strand angebunden.




Tunesien und die Pick-Up Pferde

Assalamu aleikum und Hallo zusammen, 

wie bereits angekündigt folgt hier ein kleiner Artikel über Pferde in Tunesien. In den folgenden Punkten habe ich nur das aufgeschrieben, was mir als Deutsche besonders aufgefallen ist, was nicht heißt, dass es nur so und nicht anders geht. Ich mag Tunesien gerne und finde es immer interessant, andere Kulturen zu entdecken und auch Anregungen, was die Pferdehaltung angeht. Andere Länder, andere Sitten. Nehmt es mit Humor:-D

Einige Punkte die mir aufgefallen sind und die ich so aus Deutschland nicht kenne, sind hier aufgelistet:


-Viele Hengste
Erstaunlicherweise sind sehr viele Pferde hier Hengste, vor allem bei Reitställen, welche Pferde an Touristen vermieten, findet man meist ausschließlich Hengste. Ich hätte nicht gedacht, dass sich ein Dutzend Hengste zusammen verträgt, aber siehe da es funktioniert tatsächlich. Und sie sind auch nicht schwieriger zu reiten als Wallache oder Stuten. Warum nur Hengste? Stuten gelten hier als zickig bzw. launisch und eine Kastration eines Hengstes ist schlichtweg zu teuer. Darum bleibt der Hengst Hengst und wohnt weit weg von Stuten in einer Männer WG. In nicht-touristischen Ställen findet man aber auch Stuten.

-Viele Araberpferde und Berberpferde
Gut, dieser Punkt überrascht nicht, in Island gibt es nur Islandponys, in Deutschland viele Warmblüter und Ponys und in der arabischen Welt eben arabische Vollblutpferde oder Kreuzungen mit Berberpferden. Nicht nur, aber meistens. 

-Angebundene Pferde
Als kurzzeitige Alternative zum Auslauf oder anderen mir nicht bekannten Gründen werden viele Pferde angebunden. Und zwar im Boden. Da ist also ein Haken im Boden verankert und daran ein langes Seil das am Halfter des Pferdes befestigt wird, sodass das Pferd sich nur um die Ankerstelle drehen kann, aber nicht weiter. Natürlich nur für einige Stunden. Ein Paddock und Ställe sind direkt nebenan vorhanden.

-(fast) keine Weiden
Man darf nicht erwarten, im trockenen Tunesien fette grüne Weiden zu finden, die von glücklichen Pferden abgegrast werden. Wenn es Grün gibt, dann wird dieses anderweitig genutzt, und wenn Pferde oder Esel oder Schafe darauf grasen, dann ohne Zaun. Man setzt sein Tier also auf einer Wiese ab, lässt es grasen und holt es dann wieder ab. Einfach, günstig und effektiv. :-D
Ab und zu findet man aber tatsächlich eingezäunte Weiden, das ist aber eher die Ausnahme. Eher ist der Paddock als Auslauf üblich, oder der Reitplatz.

-Anderer Reitstil
Auf den ersten Blick erscheint der Reitstil der Araber etwas hart manchmal, auf den zweiten aber nicht mehr. Gut, das Pferd galoppiert über die Teerstraße (habe ich übrigens auch schon gemacht - ohne Hufeisen :-D) und ab und an wird etwas stärker an den Zügeln gezogen wenn das Pferd stehen soll oder die Richtung wechseln soll... Dafür sind die Zügel ansonsten recht locker, die Pferde können laufen wie sie wollen, ohne in irgendeine künstliche Haltung gezwängt zu werden, und Sperriemen, Ausbinder, Gerte und Sporen habe ich noch nie gesehen. Rollkur, Kandare und stundenlange langweilige Dressurübungen in einer stickigen Reithalle gibt es auch nicht. Kurzum, das Pferd bleibt Pferd und wird draußen geritten, und wenn es den Kopf hoch nehmen will oder mal rennen möchte, dann darf es das auch.

-Tourismus
In einem Land des Tourismus tragen auch die Vierbeiner ihren Teil dazu bei. Oft stehen sie geputzt und geschmückt als "Köder" am Strand oder an der Straße, und sobald der Tourist sich nähert taucht der Besitzer wie aus dem Boden auf und bietet dir eine Tour an. Die natürlich nicht kostenlos ist ;-) (Mehr dazu im Artikel "Reiten auf Djerba")

-Pick-Up Pferde
In Deutschland muss es der TÜV geprüfte Doppelachsenanhänger sein, mit integriertem Futterautomat, zertifizierter Anhängerkupplung und neuestem Kamera System im Porsche der Geländewagen. Nichtsdestotrotz weigern sich die meisten Pferde in einen solchen Hänger zu steigen. In Tunesien ist das einfacher: Pick-Up Geländewagen zum Pferd fahren, Pferd drauf, anbinden. Fertig. Darum ist ein einfacher Holzzaun gebaut. 
Nun darf das Pferd die schöne Aussicht und den Fahrtwind genießen - jedenfalls so lange bis zur ersten Vollbremsung:-D Meistens geht aber doch alles gut. :-)





Entspannte Pferde auf der Ladefläche eines Pick-Ups. DER Pferdetransport der Zukunft?

Mit 4 Pferden und einem Esel auf dem Auto hat der Fahrer dieses Wagens mehr als übertrieben.

Zwei gesattelte Pferde mit ihren Reitern im Auto auf der Fahrt zum Ausritt.



Dieser Hengst ist am Boden festgebunden.












Dienstag, 9. Januar 2018

Festival in Douz mit vielen Pferden

Assalamu aleikum und Hallo zusammen, 



Karawane zieht an einer Oase vorbei.


Jährlich im Dezember findet in der Wüste Tunesiens ein großes Fest über mehrere Tage statt, bei dem geschmückte Kamele und Kamelkämpfe gezeigt werden, Pferderennen und Hasenjagden mit dem Wüstenhund stattfinden und  Tradition und Kultur vorgestellt werden. (Mehr dazu: https://www.autretunisie.com/en/new-years-eve/enjoy-douz-international-sahara-festival-2-days-trip/)

Ich persönlich bin vor allem wegen der Pferde dahingegangen, und es hat sich auch wirklich gelohnt. Das Fest ist kostenlos und jeder darf kommen und es anschauen. Bereits morgens sah man junge Männer auf ihren Arabern durch die Menschenmengen in der Innenstadt und den Markt reiten. Auch Touristen wurden auf den geschmückten Pferden durch die Stadt geführt. 



Mann mit Baby im Arm auf einem Araber.


Mädchen mit Kopftuch auf einem der Showpferde in der Stadt.

Die schönsten Pferde werden ausgewählt - mitten in Douz.


Zwei junge Männer reiten auf einem Schimmel mit pinkem Sattel.


Mann mit Kind auf einem Araber.


Gegen Mittag bewegte sich die ganze Masse dann Richtung Stadtrand, wo am Rande der Wüste eine große Zuschauertribüne aufgebaut war, die jedoch nicht mal für einen Bruchteil der Besucher gereicht hat. Männer in traditionellen Kostümen balancierten mehrere Krüge auf ihren Köpfen, Stuntreiter ritten im wilden Galopp im Kreis und sprangen auf ihre Pferde auf und ab, und immer wieder fanden Pferderennen statt, bei dem man die schnaubenden Vollblüter einen kurzen Augenblick zu Gesicht bekam, und danach nur noch ihre donnernden Hufschläge hörte, wie sie hinter dem nächsten Sandhügel in der Wüste verschwanden. Die Mehrheit der Reiter waren junge Männer, ich habe aber mindestens eine Frau mit Kopftuch unter den Reitern entdecken können.


Araber auf Araberpferden in arabischen Gewändern.

Aus vielen Ländern, Stämmen und Kulturen sind die Darsteller in Douz zusammengekommen.

Pferde beim Wettrennen durch die Wüste.

Auf einem Bildschirm lässt sich das Geschehen besser verfolgen.


Als das Festival zur Maghreb Zeit (Sonnenuntergang) vorbei war, konnte man nur noch um sein Leben laufen, um nicht von Polizei, hupenden Autos, auf der Straße laufenden Menschen und wild über den Teer galoppierenden Pferden mit ihren Reitern zertrampelt zu werden;-)

Generell wird hier einiges, zumindest was Verkehr und Pferde angeht, etwas lockerer gesehen.( folgt in Kürze: Siehe dazu den Artikel "Tunesien und die Pick-Up Pferde".)

Alles in allem war es ein sehr schönes Fest mit tollen Pferden. Man konnte sich gut in eine kitschige Atmosphäre von 1001 Nacht versetzen und darüber nachdenken wie es wohl damals war, als die Beduinen noch mit Pferden und Kamelen durch die Wüste zogen...


Verhüllte Frau reitet auf einem Kamel durch die Sandwüste, der Mann geht vorneweg.

Ich muss mich für die Qualität der Bilder entschuldigen, ich habe sie vom Handy aus gemacht und die Reiter waren soweit weg, dass ich nicht scharf fotografieren konnte. Sicher findet man über Google unter Festival de Douz schönere Bilder, ich wollte nur einen kleinen Einblick vermitteln und ich hoffe, dass das mir auch gelungen ist. 


Ausritt mit Überraschung

  Assalamu aleikum,  auf meiner Suche nach neuen Ausreitmöglichkeiten habe ich einen schönen und gepflegten Reitstall in Gammarth, Tunis, ge...