Freitag, 21. Mai 2021

Reiterin mit Hijab: Interview mit Emira * Rider with hijab: Interview with Emira

 Assalamu aleikum, 


(English version below)

schon lange habe ich die Idee im Kopf, euch andere reitende Frauen mit Hijab vorzustellen. Damit wir voneinander lernen, Tipps holen, Geschichten hören, die uns Mut machen, damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind... Gerne könnt ihr euch bei mir melden und mir die Fragen nach diesem Muster per Email beantworten! Ich freue mich :-) Dabei spielt es keine Rolle, wie lange ihr schon reitet, ob ihr ein eigenes Pferd habt oder nicht, ob ihr täglich reitet oder nur ab und an... Das Thema lautet: Reiterin mit Hijab. Lasst uns an euren Erfahrungen teilhaben! 

Heute erzählt uns meine Freundin Emira ihre Geschichte... 


Wie heißt du und wie alt bist du? Was möchtest du sonst noch über dich erzählen? 

Assalamu aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh, ich heiße Emira und bin 22 Jahre alt. Ich wohne in Baden-Württemberg und mache ein duales Studium. 


Bist du konvertiert oder geborener Muslim?

Ich selbst sage immer, dass ich halb-konvertiert bin. Mein Vater kommt ursprünglich aus Tunesien, daher habe ich mich nie 100% deutsch gefühlt. Meine Mutter hingegen ist aus Deutschland. Unsere Familie war nie praktizierend und meine Mutter und ihre Verwandtschaft  christlich. Ich habe also nie gelernt, was der Islam bedeutet oder um die Wichtigkeit des Tauhids oder des Gebets gewusst. Ich wusste nur, dass ich kein Schweinefleisch essen darf. Da die Religion steht und fällt mit dem bewussten Sprechen und Glauben an die Schahada, bezeichne ich mich als konvertierte Muslima :) Alhamdulillah durfte ich durch Allahs Gnade diese Religion annehmen als ich 15 war.  In diesem Alter fing ich dann auch mit dem Praktizieren an – Schritt für Schritt.

 

Seit wann praktizierst du den Reitsport?

Laut Erzählungen meiner Mama saß ich mit 3 oder 4 Jahren die ersten Male auf Ponys und habe wohl die Pferde nie vergessen können. Mit 6 habe ich dann die ersten Ferienreitkurse besucht und dort reiten gelernt. Kurz danach durfte ich dann 1x pro Woche regelmäßig Reitunterricht nehmen.


Welche Erfahrungen hast du als Muslima mit Hijab bezüglich dem Reiten gemacht? Wurdest du mit Vorurteilen konfrontiert?

Ich habe fast 10 Jahre lang als Nichtmuslima den Reitsport praktiziert. Als ich dann Allahs Religion für mich entdeckte, hat sich zunächst nichts geändert. Erst als ich um die Wichtigkeit des Hijab wusste, habe ich mir Sorgen gemacht. Da ich schon immer eine sehr kompetitive Persönlichkeit bin und Wettbewerbe liebe und auch im Reitsport regelmäßig an Turnieren teilgenommen hatte, war es eine große Hürde für mich, den Hijab am Stall zu tragen. Ich habe bestimmt ein oder zwei Jahre lang oft Angst gehabt, wie ich nur meine Pferde und meine Religion vereinen kann. Ich wollte nicht das Reiten aufgeben, aber auch keine Kompromisse bei meiner Religion eingehen. 

Als ich nach meinem Abitur anfing mich zu bedecken und nach einem Auslandsjahr (mit Reitpause) nach Deutschland kam, war ich fest entschlossen, einen Weg zu finden. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass wir in Deutschland kaum Muslimas sehen, die reiten und Hijab tragen. Auch im Internet ist es eine Sache, die auf der Welt nicht weit verbreitet zu sein scheint. So fehlen Vorbilder und auch Ideen zur Umsetzung (wie kann ich die enge Reithose umgehen? Wie kann ich ein Kleid tragen oder einen Rock und trotzdem mein Pferd versorgen und aufsitzen?...).

Im Alltag am Reitstall kamen mir oft unschöne Blicke entgegen, entgeisterte oder auch wütende Menschen. Viele waren glaube ich einfach nur verwirrt. Gerade im Turniersport bin ich aber immer noch eine absolute Ausnahme. Bei Lehrgängen und auch bei Turnieren wurde ich immer komisch angeschaut und die Menschen haben sich gefragt, ob ich mich verlaufen habe. Ich habe nicht dazu gepasst.

Seit ich mein eigenes Pferd habe, ist es einfacher. Immerhin kann mir nun keiner Vorschriften machen, wie ich mich zu kleiden habe. Jedoch habe ich bei der Stallsuche und mehreren Stallwechseln zunächst immer Ablehnung erfahren. Ich habe nicht in das Bild der „unterdrückten, rückständig denkenden Kopftuchfrau“ gepasst. Mittlerweile habe ich mich an die Kommentare gewöhnt und blende das Gerede hinter meinem Rücken einfach aus. Von Vorteil ist auch, dass meine Stallkollegen mich mittlerweile kennen und ich nicht mehr in Frage gestellt werde. Sie kennen mich nun und haben sich wohl damit abgefunden, dass ich anders lebe und bin als sie.

 

Reitest du regelmäßig oder eher ab und zu?

Dank Allah habe ich seit 2 Jahren mein eigenes Pferd und reite regelmäßig. Davor hatte ich jahrelang viele verschiedene Reitbeteiligungen und bin ca. 2x die Woche geritten.

 

Welche Möglichkeiten zum Reiten hast du als Muslima bereits genutzt?

Angefangen habe ich mit den klassischen Ferienfreizeiten auf dem Reiterhof, gefolgt von regelmäßigem Gruppenunterricht einmal pro Woche. Mit der Zeit habe ich mehrere Reitställe ausprobiert und durfte viel helfen (Pferde füttern, misten, auf die Weide bringen, etc.) und habe so viel lernen können. Mit 10 hatte ich dann meine erste Reitbeteiligung und konnte so auch öfter reiten (ca. 2-3x pro Woche). Parallel habe ich aber auch regelmäßig Reiterferien gemacht und auch diverse Lehrgänge absolviert (Reitabzeichen um Turniere zu reiten, Longierabzeichen, etc.).

 

Was hat dir dabei am Besten gefallen?

Da ich ein Pferdenarr bin durch und durch, war ein eigenes Pferd immer mein Traum. Mehr als 10 Jahre habe ich mir täglich ein eigenes Pferd gewünscht und war sehr traurig, dass es nicht möglich war. An ein eigenes Pferd sind jedoch viele Kosten und auch Verantwortung und Verpflichtungen gebunden, die ich nicht jeder Schwester empfehlen kann.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich in meiner Jugend verschiedene Pferde reiten konnte und mich so frei und unabhängig entwickeln konnte. Ohne eigenes Pferd ist das Leben flexibler und ungebundener.

Ich persönlich würde jedem Reitanfänger guten Reitunterricht empfehlen und sobald es möglich ist, eine Pflegebeteiligung suchen. So lernt man den Umgang mit den Pferden und sammelt viel zusätzliches Wissen und Kompetenzen. Danach würde ich eine Reitbeteiligung empfehlen, um mehr Verantwortung zu tragen und mehr zu lernen. Wenn man nach mehreren Jahren dann immer noch ein eigenes Pferd möchte, dann ist der passende Zeitpunkt, sich sein Traumpferd zu suchen :)

 

Hast du schon negative Erlebnisse und Reaktionen von deinem Umfeld auf deinen Hijab/Religion beim Reiten bekommen?

Erst vor wenigen Monaten bin ich mit meinem Pferd im Stall zur Reithalle gelaufen. Ich war voll angezogen mit meiner speziellen Reithose, die super weit ist, damit ich springen kann. Zu dem Zeitpunkt war es Sommer, wirklich warm und einige Besucher der Stallbetreiber auf der Reitanlage. Dieses Grüppchen hat mich dann beobachtet und ich habe nur ungenau etwas von „soll sie doch mal was gescheites anziehen“ gehört. Diese Aussagen sind wie so oft meist gepaart mit abfälligem Gelächter und weiterem Gerede.

Generell ist mir noch nichts wirklich gemeines widerfahren, alhamdulillah. Die alltäglichen Bemerkungen, diese Negativität „zwischen den Zeilen“ spüre ich jedoch fast überall. Außerdem merke ich sehr stark wie meine Kompetenz in Frage gestellt wird, seitdem ich mich bedecke. Davor waren einige Dinge kein Grund zur Diskussion und nun wird von jeder Seite versucht mich zu belehren: Wie ich reite, wie mein Pferd gefüttert werden soll, was beim Ausreiten zu beachten ist, etc.

 

Was war dein bestes Erlebnis beim Reiten mit Hijab?

Ich habe viele schöne Dinge erleben dürfen, aber es ist immer wieder schön auf Lehrgänge zu gehen und dann eine gute Leistung abzuliefern, obwohl alle Teilnehmerinnen argwöhnisch schauen und mich eigentlich nicht dabei haben wollen. Ich denke, ich freue mich daran, den Anderen zeigen zu können, wie gut ich reiten kann MIT Hijab. Außerdem fühle ich mich so als eine starke Vertreterin unserer Religion und bin Allah dankbar, dass ich ihnen durch mein Vorleben zeigen kann, wie engstirnig und falsch ihre Vorstellungen über uns „Kopftuchmädchen“ sind.

 

Und was war dein schlimmstes Erlebnis?

Tatsächlich kann ich gar nichts dazu sagen. Mir fällt nichts schlimmes ein, das mit meinem Hijab in Verbindung stand.

 

Wie stehen deine Familie und deine Freunde dazu, dass du reitest?

In meiner Familie bin ich seit jeher das Pferdemädchen und diejenige, die viel zu viel Geld ausgibt (wegen der Pferde versteht sich). Meine Familie hat nichts mit Pferden zu tun und teilweise sogar große Angst vor ihnen. Daher freuen sich meine Eltern, dass ich so viel „Mut“ habe mit diesen „großen Tieren“ umzugehen. Mein Freundeskreis ist sich meiner Leidenschaft bewusst. Manchmal könnte ich nur noch an Pferde denken, von Pferden sprechen und am Stall sein. Das merken natürlich auch meine Freunde und daher bin ich mittlerweile die Ansprechpartnerin für diesen Sunnah-Sport. Bisher konnte ich auch durch meine Schwärmereien einige Freundinnen für das Reiten begeistern. Sogar ihre Ehemänner haben teilweise Interesse gefunden. Die Liebe zum Reitsport und all die erlebten Abenteuer haben dann sogar durch die Erzählungen meiner Freundinnen ihre Familien neugierig gemacht!

 

Was ist dein Traum für die Zukunft?

Die gigantischsten Träume behalte ich momentan lieber im engeren Kreis, jedoch habe ich das Ziel, mit meinem Pferd in der Vielseitigkeit auf Turnieren zu starten und hier die Muslime zu vertreten. Gerade wir Muslime haben die Reiterei auf unserer Seite, da es eine Sunnah ist. Daher möchte ich, dass wir in Deutschland präsenter werden und der Islam auch mit Pferden in Verbindung gebracht wird.

Langfristig möchte ich meinen eigenen Reitstall gründen und Pferde ausbilden und auf Wettbewerben vorstellen. Außerdem möchte ich Reitunterricht geben und unserer Ummah in dieser Hinsicht zu neuem islamischen Stolz und Glanz verhelfen, indem wir diese wunderbare Sunnah praktizieren. Möge Allah es möglich machen und die Ummah Mohammeds stärken. 

Zuletzt möchte ich dir, liebe Schwester, noch einen Rat geben: Vertraue auf Allah und halte dich an der Sunnah des Gesandten (Friede und Segen sei auf ihm) fest (natürlich gehört auch das Reiten dazu und dass du es deinen Kindern beibringst ;-) . Und vergiss niemals, dass Allah zu allem die Macht hat. 

                                                     - Ende - 


Liebe Emira, vielen Dank für deine Offenheit und deine ausführlichen Erzählungen! Wenn  auch du deine Erfahrungen mit uns teilen möchtest, dann melde dich bei mir per Email und schicke mir die beantworteten Fragen. Gerne kannst du auch Fotos hinzufügen (am Besten mit unkenntlich gemachtem Gesicht, ansonsten übernehme ich das gerne). Hier sind noch einmal alle Fragen zum einfachen Kopieren: 

Wie heißt du und wie alt bist du?

Bist du konvertiert oder geborener Muslim?

Seit wann praktizierst du den Reitsport?

Welche Erfahrungen hast du als Muslima mit Hijab bezüglich dem Reiten gemacht? Wurdest du mit Vorurteilen konfrontiert?

Reitest du regelmäßig oder eher ab und zu?

Welche Möglichkeiten zum Reiten hast du als Muslima bereits genutzt?

Was hat dir dabei am Besten gefallen?

Hast du schon negative Erlebnisse und Reaktionen von deinem Umfeld auf deinen Hijab/Religion beim Reiten bekommen?

Was war dein bestes Erlebnis beim Reiten mit Hijab?

Und was war dein schlimmstes Erlebnis?

Wie stehen deine Familie und deine Freunde dazu, dass du reitest?

Was ist dein Traum für die Zukunft?



                                   Reiterin Emira mit ihrem englischen Vollblutwallach



English version: 


Assalamu aleykum,

I've had the idea for a long time in my head to introduce you to other riding women with hijab. So that we can learn from each other, get tips, hear stories that give us courage, so that we know that we are not alone... You are welcome to contact me and answer my questions according to this pattern by email! I would be very happy :-) It doesn't matter how long you've been riding, whether you have your own horse or not, whether you ride every day or just from time to time... The topic is: rider with hijab. Let us share in your experiences!

Today my friend Emira tells us her story ...


What's your name and how old are you? What else would you like to tell us about you?

Assalamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh, my name is Emira and I am 22 years old. I live in Baden-Württemberg (province in southern Germany) and I am doing a dual curriculum.


Are you converted or born as a muslim?

I always say that I am "half-converted". My father is from Tunisia, so I never felt 100% German. My mother is from Germany. Our family has never been practicising their religion and my mother and relatives have been Christian. So I never learned what Islam meant or knew about the importance of tawheed or prayer. I just knew that I was not allowed to eat pork. Since religion stands and falls with the conscious speaking and believing in the Shahada, I call myself a converted Muslim :) Alhamdulillah, with Allah's grace, I was allowed to accept this religion when I was 15. It was at this age that I started practicing - one step at a time.


 How long have you been practicing equestrianism?

According to my mom, I sat on ponies for the first time when I was 3 or 4 years old and I have probably never been able to forget the horses. When I was 6 I attended my first holiday riding courses and learned to ride there. Shortly afterwards I was allowed to take riding lessons once a week.


What is your experience as a Muslim with hijab in relation to horse riding? Have you faced prejudice?

I practiced equestrian sport as a non-muslim for almost 10 years. When I discovered Allah's religion for myself, nothing changed at first... Until I knew the importance of the hijab, then I get worried. Since I've always been a very competitive personality and love competitions and had also regularly participated in tournaments in equestrian sports, it was a big hurdle for me to wear the hijab in the stable. For one or two years I have been afraid of how I can unite my horses and my religion. I didn't want to give up riding, but I didn't want to compromise on my religion either. When I started to cover myself after graduating from high school and came back to Germany after a year abroad (with a break from riding), I was determined to find a way. The problem, in my opinion, is that in Germany we hardly ever see Muslims riding and wearing hijab. Even on the internet, it's one thing that doesn't seem to be widely spread in the world. So there is a lack of role models and ideas for implementation (how can I avoid tight riding breeches? How can I wear a dress or a skirt and still take care of my horse and sit up? And so on...).

In everyday life at the stables, I often face ugly looks, amazed or angry people. I think a lot of them are just confused. But I'm still an absolute exception, especially in tournament sports. At courses and tournaments I was always looked at in a strange way and people asked themselves if I was lost. I didn't fit in. 

Since I have my own horse, it's been easier. After all, nobody can tell me how to dress. However, when I was looking for a stable and when I changed several stalls, I always experienced rejection. I didn't fit into the image of the “suppressed, backward-thinking headscarf woman”. By now I've got used to the comments and just block out the talk behind my back. It is also an advantage that my stable colleagues now know me and I am no longer questioned. They know me now and have probably come to terms with the fact that I live a different life. 


Do you ride regularly or occasionally?

Thanks to Allah, I am owning my own horse for 2 years and I ride regularly. Before that I had many different riding participations for years and rode about twice a week.


 What opportunities for horse riding have you already used as a Muslim?

I started with the classic holiday camps on the horse farm, followed by regular group lessons once a week. Over time I tried out several riding stables and was able to help a lot (feed horses, muck out stables, bring them to pasture, etc.) and have learned so much. When I was 10 I had my first riding participation and was able to ride more often (about 2-3 times a week). At the same time, however, I also have regularly made riding holidays and also completed various courses (riding badges for riding tournaments and other badges).


What did you like the most about it?

As I am a horse lover through and through, owning a horse has always been my dream. For more than 10 years I wanted my own horse every day and was very sad that it wasn't possible. However, there are many costs, responsibilities and obligations associated with owning a horse, which I cannot recommend to every sister. In retrospect, I am very happy that I was able to ride different horses in my youth and that I was able to develop so freely and independently. Without your own horse, life is more flexible and free.

Personally, I would recommend good riding lessons to every beginner and look for a care participation as soon as possible. This is how you learn how to deal with horses and gather a lot of additional knowledge and skills. After that, I would recommend a riding participation in order to take on more responsibility and learn more. If after several years you still want your own horse, then is the right time to look for your dream horse :)


Have you already had negative experiences and reactions from your environment to your hijab / religion while riding?

Only a few months ago I went to the riding arena with my horse in the stable. I was fully dressed in my special breeches that are super wide so I can jump. At that time it was summer, really warm and some visitors from the stable operators at the riding facility. This group observed me and I only heard vaguely something about "shouldnt she wear something smarter". As it is so often the case, these statements are usually paired with derogatory laughter and further talk.

In general, nothing really nasty has happened to me yet, alhamdulillah. However, I feel the everyday comments, this negativity “between the lines” almost everywhere. I also notice very strongly how my competence has been called into question since I covered myself. Before that, some things weren't a reason for discussion and now every side tries to teach me: How to ride, how my horse should be fed, what needs to be observed when riding, etc.


 What was your best experience with riding with a hijab?

I've been able to experience many beautiful things, but it's always nice to go to courses and then deliver a good performance, even though all the participants look suspicious and actually don't want me there. I think I'm excited to be able to show others how well I can ride WITH hijab. In addition, I feel like a strong representative of our religion and I am grateful to Allah that I can show them through my way of life how narrow-minded and wrong their ideas about us "headscarf girls" are.


 And what was your worst experience?

In fact, I can't say anything about it. I can't think of anything bad related to my hijab.


How do your family and friends feel about you riding?

In my family I have always been the horse girl and the one who spends way too much money (because of the horses, of course). My family has nothing to do with horses and is sometimes very afraid of them. Therefore my parents are happy that I have so much “courage” to deal with these “big animals”. My friends are aware of my passion. Sometimes I could only think of horses, talk about horses and be at the stable. Of course, my friends also notice this, so I am now the contact person for this Sunnah sport. So far I have been able to get some friends excited about riding through my stories. Even their husbands have found some interest in riding. The love for equestrian sports and all the adventures I experienced even aroused their families' curiosity through what my friends told me!


 What is your dream for the future?

At the moment I prefer to keep the most gigantic dreams in a closer circle, but my goal is to start with my horse in versatility tournaments and to represent the Muslims there. We Muslims in particular have the riding on our side because it is a Sunnah. So I want us to be more present in Germany and I want them to associate Islam with horses.

In the long term, I would like to set up my own riding stable and train horses and present them at competitions. I would also like to give riding lessons and help our Ummah to regain Islamic pride and splendor in this regard by practicing this wonderful Sunnah. May Allah make it possible and strengthen the Ummah of Muhammad. 

Finally, I would like to give you one more piece of advice, dear sister: Trust in Allah and hold fast to the Sunnah of the Messenger (peace and blessings be upon him) (of course, riding is also part of it and that you teach your children to do it ;-) . And never forget that Allah has power over everything.


                                                   - end of interview -


Dear Emira, thank you very much for your openness and your detailed stories! If you also would like to share your experiences with us, please contact me by email and send me the answered questions. You are also welcome to add photos (preferably with the face made unrecognizable). Here are all the questions for easy copying again:


What's your name and how old are you?

Are you converted or born as a Muslim?

How long have you been practicing equestrianism?

What is your experience as a Muslim with hijab in relation to horse riding? Have you faced prejudice?

Do you ride regularly or occasionally?

What opportunities for horse riding have you already used as a Muslim?

What did you like the most about it?

Have you already had negative experiences and reactions from your environment to your hijab / religion while riding?

What was your best experience with riding with a hijab?

And what was your worst experience?

How do your family and friends feel about you riding?

What is your dream for the future?











Sonntag, 25. April 2021

Dieser Moment, wenn... This moment when...

Assalamu aleikum, 


Mädchen mit Kopftuch auf einem Sportpferd


sicher kennen wir reitende Muslimas die ein oder andere lustige oder peinliche Situation....

Dieser Moment, wenn...

...du elegant aufs Pferd steigst und erst oben feststellst, dass die eine Hälfte des Rocks unter deinem anderen Bein hängengeblieben ist und nun dein Bein entblößt ist.

...eine kräftige Sturmböe weht und du dich fühlst wie Marilyn Monroe während du dein Kleid runterziehst und das Kopftuch dir vors Gesicht fliegt und dein Hals zu sehen ist. Hoffentlich passiert dir das nicht, wenn du gerade auf ein Hindernis zureitest ;-)

...du gerade den perfekten Galopprhythmus mit deinem Pferd gefunden hast und dann Kleid oder Kopftuch verrutscht und du in der Zwickmühle steckst: Einen riskanten Stunt versuchen und die Kleidung im vollen Galopp gerade rücken während das Pferd dadurch dann aus dem Takt kommt... ODER: Mit dem Kopftuch vor dem Gesicht in Würde weiterreiten und so tun als wäre nix passiert.

...du durch den Wald trabst und die Leute vor Schreck fast umfallen wenn sie dich sehen- in ihren Augen sehen sie ein Gespenst auf einem Kriegspferd.

...du beim Reiten feststellst, dass dein Dutt sich immer mehr löst und lockert und deine Haare langsam deinen Rücken runterrutschen anstatt am Hinterkopf zu bleiben und es aussiehst, als hättest du einen Buckel auf dem Rücken.

...alle denken dein Pferd sei ein Araber nur weil sie denken alle Muslime sind Araber und alle Araber reiten Araberpferde.

...du gefragt wirst ob dein Pferd dich mit Hijab/Niqab noch erkannt hat.

...dein Rock beim Trab auf dem Reitplatz im Zaun hängenbleibt und du fast deswegen vom Pferd fällst.

Die Liste lässt sich sicher beliebig fortführen... Was sind eure lustigsten Erfahrungen beim Reiten mit Hijab? Lasst es mich wissen :-) 



Quelle. Pinterest, von mir bearbeitet



English version: 

Assalamu aleykum, 

surely we riding Muslims know the one or the other funny or embarrassing situation that happened to us during our lives with the horses...

This moment when...

... you climb elegantly on the horse and when you are sitting in the saddle you notice only that half of the skirt has got stuck under your other leg and now your leg is exposed.

... a strong gust of wind blows and you feel like Marilyn Monroe while you pull down your dress and the headscarf flies in front of your face and your neck can be seen. Hopefully this won't happen to you if you are riding towards an obstacle ;-)

... you have just found the perfect canter rhythm with your horse and then your dress or headscarf is slipping and you are in a dilemma: try a risky stunt and straighten your clothes at full gallop while the horse gets out of tact ... OR: With the headscarf in front of your face, ride on with dignity and pretend nothing had happened.

... you trot through the forest and people get a shock that almost knocks them over when they see you - in their eyes, they see a ghost on a war horse.

... while riding, you notice that your bun is loosening and your hair is loosening up and slowly slipping down your back instead of staying at the back of your head and it looks like you have a hump on your back.

... everyone thinks your horse is an Arab just because they think all Muslims are Arabs and all Arabs ride Arabian horses.

... you are asked whether your horse still recognized you with a hijab / niqab.

... your skirt gets stuck in the fence of the riding arena when you trot and you almost fall off your horse because of it.

The list goes on and on ... What are your funniest experiences while riding with a hijab? Let me know :-)



Freitag, 16. April 2021

Wichtigkeit des Reitsports im Islam - Importance of horse riding in islam

 Assalamu aleikum, 


(English version below the pictures)

vor einiger Zeit bin ich auf dieses wirklich interessante Video auf Youtube gestoßen, dessen Inhalt wirklich meinen Tag verbessert hat ;-) Es geht darum, dass dem Reiten im Islam schon immer eine große Bedeutung zukam.

Leider war das Video nur sehr kurz und knapp, ich hätte mir gerne weitere Informationen und Erklärungen über das Thema gewünscht, habe aber nichts weiteres dazu gefunden. Sobald ich fündig werde, lasse ich es euch wissen. In shaa Allah. 


https://youtu.be/-RmAGDUfZek?list=LL


ungefähre Übersetzung des Videos: 


(...) Es gibt keinen Zweifel daran, dass in den Zeiten des Krieges (früher), dem Reiten eine gewaltige Bedeutung zukam, bis vor Kurzem. Und das hört nicht auf (d.h. es bleibt so), denn der Prophet, der Frieden und Segen Allahs sei auf ihm, hat gesagt: In den Stirnlocken der Pferde liegt Gutes bis zum Tag des jüngsten Gerichts. Aber es gibt Zeiten, in denen man auf das Reiten nicht oder nur wenig angewiesen ist, entweder aufgrund des Fortschritts im Leben der Menschen .. Aber dieser Fortschritt wird nicht bis zum Tag der Auferstehung bleiben, denn in den Endzeiten wird das Kämpfen mit den gleichen alten Mitteln stattfinden; Schwerter, Speere und Lanzen/Spieße. (Sprecher: Sheikh Salih Al Luhaidan)


Über den Hadith "In den Stirnlocken der Pferde liegt Gutes bis zum Tag des jüngsten Gerichts", habe ich bereits in einem anderen Artikel berichtet. Ihr findet ihn hier: 


http://reitenmithijab.blogspot.com/2019/01/in-den-stirnlocken-der-pferde-liegt.html



                                                             Quelle: Pinterest

                                                         Quelle: Pinterest 



English version: 


Assalamu aleykum,

Some time ago I came across this really interesting video on Youtube, that really improved my day ;-) It's about the fact that horse riding has always been of great importance in Islam.

Unfortunately, the video was very short, I would have liked more information and explanations about the topic, but I couldn't find anything more. As soon as I find what I am looking for, I will let you know. In shaa Allah.

https://youtu.be/-RmAGDUfZek?list=LL

approximate translation of the video:

(...) There is no doubt that in the times of war (earlier), horse riding was of enormous importance, until recently. And that does not stop (i.e. it stays that way), because the Prophet, the peace and blessings of Allah be upon him, said: There is good in the forelock of horses until the day of judgment. But there are times when there is little or no need for riding, either because of the progress in people's lives... But that progress will not last until judgment day, because in the end times the war will take place with the same old means; Swords, spears and lances / skewers. (speaker: Sheikh Salih Al Luhaidan)


I have already reported in another article about the hadith "There is good in the forelock of horses until the day of judgment". You can find it here:

http://reitenmithijab.blogspot.com/2019/01/in-den-stirnlocken-der-pferde-iegen.html



Donnerstag, 28. Januar 2021

Hijabi Reitoutfit im Winter - hijabi equestrian outfit in winter

Assalamu aleikum,

(english version below) 



Warm eingepackt sind diese Muslima und ihr Pferd fertig für den Spaziergang im Schnee
                                            Quelle: eigene


das was wir im Sommer mehr schwitzen, müssen wir im Winter weniger frieren;-)
Wenn man sich warm genug anzieht, kann man auch bei Minustemperaturen die Zeit am Stall genießen. Manchmal fühlt man sich wie ein dicker Michelin-Mann wenn man sich in der ganzen Kleidung kaum noch bewegen kann - aber Hauptsache warm;-) 

Wenn ich im Winter zum Stall gehe, trage ich zwei Paar Socken: Einmal die Reitsocken und einmal lange, dicke Wollsocken, darüber dann hohe Gummistiefel mit Fütterung drin. Dazu die ganz normale Reithose und einen dicken Reitrock aus Fleecestoff. Der hält einen richtig schön warm, wie eine kuschelige Sofadecke. Obenrum trage ich einen Rollkragenpullover oder einen normalen Pulli, und darüber entweder eine Fleecejacke oder eine leichte Regenjacke. Eine dicke Winterjacke ist mir meistens zu heiß, da man sich am Stall ja viel bewegt. Die Jacke darf aber nicht zu lang sein, sonst stört sie beim Reiten. Um meine Haare zu bedecken, trage ich einen zweiteiligen Amira Hijab und binde den Dutt etwas höher als sonst, da er mich sonst im Nacken stört zwischen den ganzen Jacken und Kragen. Der Hijab ist natürlich auch aus etwas dickerem Stoff. Ein Baumwoll-Polyester Gemisch. (Wie ihr wisst, hasse ich Polyester, aber für den Winter zum warm halten ist es nicht schlecht. Reine Baumwolle tut es natürlich auch). 
Wer will, kann sich als Frisur natürlich auch einen Flechtzopf machen und den unter dem Pulli verstauen. Somit bleibt auf dem Kopf dann auch noch Platz für eine Mütze und/oder einen Reithelm. Allerdings wird der Zopf durch die Reibung ziemlich zerfleddert werden, deswegen würde ich das nur empfehlen, wenn man nicht allzu lange Haare hat. Eventuell könnte man ein ganz leichtes Seidentuch um den Zopf wickeln, um die Haare etwas zu schützen. Bei einem kurzen Zopf oder einem Dutt reicht auch eine lange Socke aus. 



Der Reitrock für den Winter ist aus dickerem Stoff und etwas kürzer, damit er nicht durch Matsch und Schnee geschleift wird. Darunter trägt man Stiefel. Ein Tick länger hätte bei diesem Modell allerdings nicht geschadet. Quelle: eigene Fotos



Wer keinen Reitrock aus Fleece hat, der kann natürlich auch den normalen anziehen. Wenns zu kalt wird, kann man sich beim Reiten einfach eine hübsche Decke über Bauch und Beine legen und die ein bisschen zwischen Bein und Sattel festklemmen. Klappt besonders gut bei Schritt-Ausritten und beim Westernsattel. Anstelle der Reithose geht selbstverständlich auch eine Jeans, eventuell sogar mit Strumpfhose darunter, für die Frostbeulen unter euch;-). Nur bitte keine Leggins. Das wird zu kalt und Scheuerstellen sind garantiert. 



Mit einer weichen Decke über den Beinen ist es gleich viel wärmer.
                                                Quelle: eigene Fotos 



Zum Thema Pferdepflege im Winter, ihr wisst ja, mein Pferd steht ganzjährig draußen. Trotzdem habe ich ihr an nasskalten Regentagen immer eine Decke angezogen, einfach damit sie sich von der Nässe nicht im Rücken verspannt. Ist es gefroren und trocken, kann sie ganz normal ohne Decke raus und ihr  "Winterpelz" schützt sie vor der Kälte. Nach dem Reiten, besonders wenn die Pferde geschwitzt haben, sollte man ihnen eine Abschwitzdecke auflegen und warten, bis sie trocken sind, damit sie sich nicht erkälten. Ganz robusten Pferden macht es vielleicht auch nichts aus, verschwitzt ins Paddock zu kommen, aber ich würde lieber auf Nummer sicher gehen.  Ansonsten alles wie immer. Die Pferde sind ja nicht so kälteempfindlich wie wir Menschen.

Ich finde es total schön, dass es dieses Jahr nochmal geschneit hat, Reiten im Schnee macht immer Spaß :-)  





English version: 

Assalamu aleykum,

what we sweat more in summer, we have to freeze less in winter ;-)
If you dress warmly enough, you can enjoy the time in the stable even when the temperature is below zero. Sometimes you feel like a fat "Michelin man" when you can barely move in all your clothes - but the main thing is that it keeps you warm ;-)

When I go to the stable in winter, I wear two pairs of socks: once the riding socks and once long, thick wool socks, and then high rubber boots with a lining. Plus normal riding breeches and a thick riding skirt made of fleece material. It keeps you really nice and warm, like a cozy sofa blanket. On top I wear a turtleneck or a normal sweater, and over it either a fleece jacket or a light rain jacket. A thick winter jacket is usually too hot for me because you move around a lot in the stable. However, the jacket must not be too long, otherwise it will interfere with riding. To cover my hair, I wear a two-piece Amira hijab and tie the bun a little higher than usual, as it otherwise disturbs me in my neck between all the jackets and collars. The hijab is of course also made of a slightly thicker material. A cotton-polyester blend. (As you know, I hate polyester, but it's not bad for keeping you warm in winter. Pure cotton, of course, does it too).
If you want, you can of course make a braid as a hairstyle and stow it under the sweater. This leaves space on the head for a hat and / or a riding helmet. However, the braid will be quite tattered by the friction, so I would only recommend this if you don't have too long hair. Maybe you could wrap a very light silk scarf around the braid to protect the hair a little. A long sock is sufficient for a short braid or a bun. 

If you don't have a riding skirt made of fleece, you can of course wear a normal one. If it gets too cold, you can simply put a nice blanket over your stomach and legs while riding and clamp it a little bit between your leg and the saddle. Works particularly well on slow rides outside and on the western saddle. Instead of the breeches you can of course wear jeans, possibly even with tights underneath. Just no leggings, please. Its getting too cold and chafe marks are almost guaranteed.

On the subject of horse care in winter, you know, my horse is outside all year round. Nevertheless, I always had put a blanket on her back on cold wet rainy days, just so that she wouldn't tense her back muscles from the wetness. If it is frozen and dry outside, I had let her outside without a blanket and her "winter fur" protects her from the cold. After riding, especially if the horses have sweated, you should put a sweat rug on them and wait until they are dry so that they do not catch cold. Robust horses might not mind getting sweaty into the paddock, but I'd rather be on the safe side. 
Otherwise everything as always. The horses are not as sensitive to cold as we humans are.

I think it's really nice that it snowed again this year, riding in the snow is always fun :-)






Freitag, 25. Dezember 2020

Reiten in Hammamet - Horse riding in hammamet

 Assalamu aleikum, 


(English version below the pictures)


nun haben wir es trotz Corona doch noch dieses Jahr nach Tunesien geschafft, alhamdulillah. Und, ohne damit zu rechnen, habe ich überraschenderweise einen neuen Pferdestall entdeckt! Den ich natürlich gleich testen musste :-) Da der Stall zu einem Hotel gehört, in dem wir einige Zeit waren, hatte ich genug Zeit, den Stall täglich zu besuchen und die Pferde dort zu beobachten. Der Hotelbesitzer weiß natürlich nichts von seinem Glück, dass ich hier ungefragt und kostenlos Werbung mache :-D Aber damit vielleicht eine von euch in den Genuss einer schönen Reitstunde oder eines Ausritts kommt und weiß, wo sie einen guten Stall findet, werde ich euch den Namen verraten ;-) 

Das Hotel heißt Al-Sultan (As-sultaan gesprochen) und der dazugehörige Reitclub heißt "Le Sultan Ranch" und liegt in der bekannten Stadt Hammamet in Tunesien. Die Pferde waren fast alles Berberhengste, gut genährt und gepflegt. Die Boxen wurden täglich komplett ausgemistet und mit frischem Stroh eingestreut. Jede Box hatte zwei Fenster, eins vorne, wo die Pferde in den Hof schauen konnten, und eins hinten, das blieb aber geschlossen. In den Boxen waren automatische Selbsttränken angebracht und eine feste Futterkrippe aus Stein. Die Ernährung bestand hauptsächlich aus Stroh und gequetschtem Getreide. Interessant war auch, dass das dreckige Stroh teils in schwarze Mülltüten abgefüllt wurde und nicht auf einen Misthaufen. 

Das einzige Manko für mich war, dass die Pferde kaum Auslauf hatten. Nur am Vormittag, wenn die Boxen gereinigt wurden, konnten sie ihre Boxen verlassen. Teilweise an Bäumen angebunden, teilweise auf dem Reitplatz frei laufend und die Shettys durften ganz frei auf der Wiese vor dem Reitplatz grasen. 

Einige Pferde streckten freundlich den Kopf aus dem Boxenfenster, wenn ich kam, andere waren schlecht gelaunt und legten die Ohren an. Nachdem sie aber alle wussten, dass ich öfters mal einen Apfel oder ein Stück trockenes Brot vorbeibringe, hat mich keins der Pferde mehr böse angeschaut :-D 


Der Stall bietet Ausritte an den Strand oder in die Berge an, wahlweise ein oder zwei Stunden oder auch Tagestouren, sowie Reitstunden und Trails. Ich wollte einen Ausritt in die Berge unternehmen, doch zu meiner Überasschung war dies nicht direkt möglich, sondern ich musste vorher eine Reitstunde auf dem großen Reitplatz absolvieren, damit man sich von meinen Reitkenntnissen überzeugen konnte. Einerseits nervig, wenn man nur einen kurzen Aufenthalt im Hotel hat und vielleicht keine Zeit, zweimal zu reiten, andererseits finde ich es aber auch gut, dass die Leute eben nicht gleich ins Gelände geschickt werden, ohne sich zu vergewissern, ob sie sicher im Sattel sitzen. Auch das Tragen eines Reithelms war für die Gäste Pflicht, diese konnten vor Ort ausgeliehen werden. 

Meine Reitstunde startete morgens um halb zehn und sollte eine halbe Stunde dauern. Diese wurde natürlich auch berechnet, mit 40 Dinar (umgerechnet etwa 13 Euro). Kurz vor halb zehn erschien ich in Reitkleidung am Stall. Zu meiner Verwunderung wartete kein gesatteltes Pferd auf mich, sondern erst als ich kam, holte der Reitlehrer mir mein Pferd, dass ich dann selbst putzen sollte. "Damit wir uns kennenlernen", sagte er. Das fand ich gut, ich mag es nämlich nicht, direkt auf ein Pferd zu steigen, was ich nicht kenne. Das war das erste Mal in Tunesien, dass ich es erlebt habe, das Pferd selber zu putzen. Und so lernten der Rotschimmel Carotte, ein Berberhengst, und ich, uns kennen. Er war ganz lieb, nur das Anziehen des Sattelgurtes mochte er nicht. Nachdem der Reitlehrer und ich ein paar Worte auf Arabisch ausgetauscht hatten, fragte er mich woher ich komme, dann sagte ich aus Deutschland. Daraufhin begann er plötzlich auf Deutsch zu reden. Etwas gebrochen, aber dennoch flüssig. Aufsteigen sollte ich an der Treppe, "das ist besser für Reiter und Pferd", sagte er. 

Dann ging es los auf den Reitplatz. Schritt, Volte, Zirkel, Trab, anhalten, zweiter Hufschlag, Galopp, in die Ecken reiten, Zirkel, Trab... So ging es eine halbe Stunde lang ohne Pause. Carotte lief flüssig, aber nicht schneller als nötig. Ich merkte schnell, dass ich meine Hilfengebung umstellen musste, denn ich hatte mich in letzter Zeit an die Hilfengebung, vor allem was Gewichtshilfen angeht, an die Westernreitweise gewöhnt. Und auch bei meiner Stute hatte ich die Zügel zum Lenken nie gebraucht, und zum Treiben auch kein Bein. Der stämmige Berberhengst war aber offensichtlich andere Hilfengebung gewohnt, uns so stellte ich mich schnell auf ihn ein. Danach klappte es besser. Er war fein und angenehm zu reiten, nur in den Biegungen etwas steif. 

Der Reitlehrer schien sich vergewissert zu haben, dass ich nicht in den nächsten Minuten abgeworfen werde und verschwand ab und zu ein paar Minuten oder telefonierte. Dann ging es weiter mit den Anweisungen. Am Ende der halben Stunde sollte ich Carotte Schritt gehen lassen und die Füße aus den Bügeln nehmen. War mir ganz recht, denn mit meinen Turnschuhen hatte ich eh ständig den Halt in den Bügeln verloren. Im Koffer war kein Platz mehr für die Reitschuhe gewesen. Der Mann schien überzeugt von mir und sagte, ich könne einen Termin für den Ausritt machen. Danach erzählte er mir noch etwas über seine Pferde, seinen Stall, die Trails, die sie veranstalten und dass lange keine deutschen Gäste mehr gekommen sind. "Unsere Hengste sind ganz lieb, wir wissen wie man sie richtig trainiert. Das ist genau wie mit einem Hund, wenn man ihn nicht erzieht, beißt er auch, aber mit der richtigen Erziehung wird er ein gehorsamer und lieber Hund", sagte er zum Abschluss. "Ich mag auch lieber Hengste reiten, Stuten sind öfters mal zickig", sagte ich. 

Ich nahm Carotte Trense und Sattel ab und ließ ihn sich auf dem Reitplatz wälzen. 


Ein paar Tage später erschien ich zum Ausritt. Carotte stand bereits angebunden vor dem Stall. Nur der  Pferdepfleger war vor Ort und mistete die Boxen aus. Selbstständig begann ich damit, Carotte zu putzen und seine Hufe auszukratzen, bis ein älterer Mann erschien. Es war ein anderer Reitlehrer. Er sattelte mein Pferd und machte auch seins bereit. Obwohl ich mit ihm auf arabisch sprach, sprach er mit mir in einem Mix aus Englisch und Deutsch. Egal, Hauptsache kein Französisch. Einer seiner ersten Kommentare war, ob ich eine Hose hätte und den Rock zum Reiten ausziehen könnte, damit er nicht fliegt und die Pferde erschreckt beim Reiten. Auf sowas bin ich immer vorbereitet. Und glaubt mir, hätte er darauf bestanden, wäre ich auf der Stelle umgedreht und er hätte den Ausritt und die 60 Dinar vergessen können. Aber natürlich hat er nicht drauf bestanden, ich sagte nein, und er sagte "kein Problem". Eigentlich hatte man mir gesagt, man würde immer in einer Gruppe mit mehreren Leuten ausreiten, darum war es mir in dem Moment unangenehm, dass ich nun alleine mit dem Reitlehrer ausreiten würde. Aber gut, absagen wollte ich nicht mehr und es war eh nur ein kleiner Ausritt am Strand.


Ich stieg auf und sollte schon wieder auf den Reitplatz. Hatte ich nicht einen Ausritt gebucht? Anscheinend wollte sich der ältere Herr nochmal persönlich überzeugen, dass mir mit meinem fliegenden Rock das Pferd nicht durchgeht. Er kam auf seinem Pferd hinterhergeritten und dann ging es in militärischem Tempo ans Schwitzen. Fast eine Viertelstunde lang Schritt, Trab, Galopp und Hufschlagfiguren aller Art. Der Rock blieb fest an meinen Beinen kleben und flatterte nicht. Das Kopftuch auch nicht, ich hatte auch eine Jacke darüber an. Danach ging es endlich raus. Er ritt vor, ich mit einigen Pferdelängen Abstand dahinter. Die Straße entlang, an den Hotels vorbei, bis zum Strand. Der Sand war sehr tief. Der Reitlehrer ritt mit seinem Pferd ins Wasser und ich folgte. Carotte aber hatte etwas Angst vor dem Wasser, trotzdem hat er sich nicht geweigert, darein zu gehen. Aber er war sichtlich froh, als seine Hufe wieder auf den trockenen Sand kamen. Wir ritten vom Strand weg auf eine trockene grüne Wiese, von Weitem konnte man die Berge sehen. Hier durfte ich etwas alleine galoppieren. "Sehr gut", sagte der älterer Herr, als ich zurückgaloppiert kam. Mittlerweile redete ich auch wieder auf Deutsch. "Wir galoppieren am Strand jetzt nur ein kleines Stück, weil der Sand ist zu tief, ist sehr anstrengend für die Pferde", kündigte er mir an. Tatsächlich war der Sand sehr tiefm teilweise lag Müll herum, und das Gefälle vom Strand zum Meer war mindestens einen Meter hoch. Ich hatte ständig Angst, dass Carotte abrutscht und stürzt. Aber Gott sei Dank ist nichts passiert. Wir kehrten gesund wieder zum Stall zurück. Leider war der Ritt kürzer als vereinbart, insgesamt bin ich nur knapp 50 Minuten auf dem Pferd gewesen, vielleicht auch weniger, und davon ja mindestens 15 Minuten auf dem Platz. Der Ausritt an sich war also sehr kurz. Aber ich habe nichts gesagt, ich war froh, überhaupt reiten zu können. 

Nach dem Ausritt sollte ich Carotte absatteln und in seine Box stellen. Er bekam noch ein Stück trockenes Brot von mir (ich habe übrigens jedes Mal gefragt, ob und was ich den Pferden füttern darf), dann verabschiedete ich mich. 


Wenn sich nochmal die Gelegenheit bietet und ich Zeit habe, würde ich dort gerne mal einen Tagesausflug in die Berge machen. Dann aber gerne mit meinem Mann zusammen oder in einer Gruppe. 



                                        Die Pferde schauen aus ihren Boxen.


                                                     Ein hübscher Berberhengst auf dem Reitplatz.


                                               Ein paar süße Shettys in ihrer Box.



                                                        Das Strohlager.




                                                       Plakat der Ranch.



                                                Saphir schaut aus seiner Box.



                                               Ein sehr schöner und kräftiger Schimmel mashallah.


                                                  Ein Shetty steht angebunden an einem Baum.


                                              Die Wiese vor dem Reitplatz.


                                             Der Reitplatz mit Hindernissen.


                                               Dieses alte Shetty darf frei laufen und grasen.


                                             Carotte, das Pferd das ich geritten bin.


                                                Ausritt durch die Landschaft,


                                  Steinig, trocken, und dennoch grün und dicht bewachsen, so sieht die Landschaft                                               in diesem Gebiet oft aus.


                                                      Auf der Straße zurück zum Hotel...


                                               Die Boxen sind gerade frisch gereinigt.


                                             Schöne, weite Landschaft mit Häusern im Hintergrund.



                                               Weiter geht es durch hohes, trockenes Gras.


                                             Von der Wiese zurück zum Strand. Das Meer ist hellblau und glitzert von                                                                der Sonne.


                                                      Selfie auf dem Pferderücken :-D 



                                                     Mein Outfit zum Reiten, ein neuer blauer Reitrock, dazu ein               hellblaues  leichtes Hemd und ein violetter Khimar.


                                                    Meinen neuen dunkelblauen Reitrock habe ich in Tunesien dieses Jahr das erste mal getragen, und gleich dreckig gemacht. So muss es sein :-D Wer nicht dreckig ist, der war nicht im Stall, oder? ;-) Wie ihr sieht, sind Druckknöpfe zum Schließen angebracht, und kein Klettverschluss mehr. Oben ist elastischer Gummibund, weicher als das letzte Mal.






English version: 


Assalamu aleikum,

now we made it to Tunisia this year despite Corona, alhamdulillah. And, without expecting it, I surprisingly discovered a new horse stable! Which of course I had to test right away :-) Since the stable belongs to a hotel where we stayed for some time, I had enough time to visit the stable every day and watch the horses there. The hotel owner, of course, does not know how lucky he is that I am advertising here without being asked and free of charge :-D But so that one of you might enjoy a nice riding lesson or a ride and know where to find a good stable, I will publish the name of the hotel ;-)


The hotel is called Al-Sultan (pronounced As-sultaan) and the associated riding club is called "Le Sultan Ranch" and is located in the well-known city of Hammamet in Tunisia. The horses were almost all Berber stallions, well fed and cared for. The boxes were completely mucked out every day and fresh straw was brought into it. Each box had two windows, one in the front where the horses could look into the courtyard, and one in the back, but it stayed closed. Automatic waterers and a solid stone feed trough were installed in the boxes. The diet consisted mainly of straw and crushed grain. It was also interesting that the dirty straw was partly filled in black garbage bags and not on a dung heap.


The only drawback for me was that the horses hardly had any exercise. They could only leave their boxes in the morning when the boxes were cleaned. Partly tied to trees, partly free running on the riding arena... Just the shetland ponies were allowed to graze freely on the meadow in front of the riding arena.


Some horses poked their heads out of the stall window in a friendly manner when I came, others were in a bad mood. But after they all knew that I often bring an apple or a piece of dry bread, none of the horses gave me an angry look anymore  :-D


The stable offers rides on the beach or in the mountains, either one or two hours or day tours, as well as riding lessons and trails. I wanted to go for a ride in the mountains, but to my surprise this was not directly possible, instead I had to take a riding lesson on the large riding arena beforehand so that they could convince themselves of my riding skills. On the one hand annoying if you only have a short stay in the hotel and maybe no time to ride twice, on the other hand I think it's good that people are not sent straight into the terrain without making sure that they are sitting safe in the saddle. Wearing a riding helmet was also mandatory for the guests, which could be borrowed at the barn.


My riding lesson started at nine thirty in the morning and should last half an hour. This was of course also calculated at 40 dinars (about 13 euros). Shortly before nine thirty I appeared at the stable in riding clothes. To my amazement, there was no saddled horse waiting for me, but only when I came the riding instructor fetched my horse for me to clean it by myself. "So that we can get to know each other," he said. I thought that was good, because I don't like getting directly on a horse, which I don't know. That was the first time in Tunisia that I had experienced cleaning the horse myself. And so the red roan Carotte, a Berber stallion, and I, got to know each other. He was very nice, just he didn't like putting on the saddle girth. After the riding instructor and I exchanged a few words in Arabic, he asked me where I came from, then I said that I am from Germany. Then he suddenly began to speak in German. Slightly broken, but still fluently. I had to climb the stairs for getting on the horse, "that's better for rider and horse," he said.


Then we went to the riding arena. Step, volte, circle, trot, stop, second hoof beat, gallop, ride into the corners, circle, trot ... It went on for half an hour without a break. Carotte ran smoothly, but not faster than necessary. I quickly realized that I had to change my aids, because lately I had got used to the aids, especially when it comes to weight aids, to the western riding style. And with my mare I never needed the reins to steer, and neither did I need a leg to drive. The sturdy Berber stallion was obviously used to other types of assistance, so I quickly adjusted to him. After that it worked better. He was fine and pleasant to ride, only a little stiff in the bends.


The riding instructor seemed to have made sure that I would not be thrown off in the next few minutes and so he disappeared for a few minutes or made a phone call while I was riding. Then it went on with the instructions. At the end of the half hour I should let Carrot step and take my feet off the hangers. That was fine with me, because with my trainers (sport shoes), I always lost my grip on the hangers. There was no more space in the suitcase for the riding shoes. The man seemed convinced of me and said I could make an appointment for the ride. Then he told me something about his horses, his stable, the trails that they organize and that no German guests have come for a long time. "Our stallions are very nice, we know how to train them properly. It's just like with a dog, if you don't train it, it will bite, but with the right education it will be an obedient and loving dog," he said finally. "I also prefer to ride stallions, mares are often a bit bitchy," I said.


I took off Carotte's bridle and saddle and let him roll around in the riding arena.

A few days later I went to the stable for a ride. Carrot was already tied up in front of the stable. Only the groom was there and cleaned out the boxes. On my own I started cleaning Carotte and scratching out its hooves until an older man appeared. It was a different riding instructor. He saddled my horse and got his one ready too. Although I spoke to him in Arabic, he spoke to me in a mix of English and German. Anyway, the main thing is that he did not speak French. One of his first comments was whether I had pants and whether I could take my skirt off to ride so it wouldn't fly and frighten the horses while riding. I'm always prepared for that. And believe me, if he had insisted, I would have turned around and he could have forgotten the ride and the 60 dinars. But of course he didn't insist, I said no and he said "no problem". Actually, I was told that you would always ride out in a group with several people, that's why I was uncomfortable at the moment that I was going to ride alone with the riding instructor. But well, I didn't want to cancel and it was just a little ride on the beach anyway.


I got on and was supposed to go back to the riding arena. Hadn't I booked a ride? Apparently the older gentleman wanted to convince himself personally that the horse would not run away with my flying skirt. He came ridden behind on his horse and then he let us work like we were preparing for military. For almost a quarter of an hour walk, trot, gallop and hoofbeat figures of all kinds. The skirt stuck firmly to my legs and did not flutter. Neither did the headscarf, I also had a jacket over it.

 Then it finally went out. He rode ahead, I rode a few horse-lengths behind. Along the street, past the hotels, to the beach. The sand was very deep. The riding instructor rode his horse into the water and I followed. Carotte was a little bit afraid of the water, but he didn't refuse to go into it. But he was visibly happy when his hooves came back onto the dry sand. We rode away from the beach onto a dry green meadow, the mountains could be seen from a distance. Here I was allowed to gallop a little bit alone. "Very good," said the older man when I came canter back. In the meantime I was speaking in German again. "We are only galloping a little on the beach because the sand is too deep and is very exhausting for the horses", he announced to me. In fact, the sand was very deep, with some garbage lying around, and the gradient from the beach to the sea was at least three feet high. I was constantly afraid that Carotte would slip and fall. But thank God, nothing happened. We returned to the stable healthy. Unfortunately, the ride was shorter than agreed, in total I was only about 50 minutes on the horse, maybe less, and of that at least 15 minutes on the field. So the ride itself was very short. But I didn't say anything, I was happy to be able to ride at all.


After the ride, I unsaddled Carotte and put him in his box. He got a piece of dry bread from me (by the way, I always asked if and what I could feed the horses), then I said goodbye.




If the opportunity presents itself again and I have time, I would like to go on a day trip to the mountains there. But then with my husband or in a group in shaa Allah.












Ausritt mit Überraschung

  Assalamu aleikum,  auf meiner Suche nach neuen Ausreitmöglichkeiten habe ich einen schönen und gepflegten Reitstall in Gammarth, Tunis, ge...